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Reisebericht-Trans-Armenien 2006
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Reisebericht Trans-Armenien 2006

“ Wo wollt ihr Mountainbiken?  Armenien… wo liegt das denn überhaupt? Ist es dort nicht gefährlich?“ das waren meist die  Antworten von  Freunden und Bekannten als wir unser neues Reiseziel bekannt gaben.

 Warum Armenien? Das Land ist die Wiege des Christentums und bietet eine aussergewöhnliche Kulturlandschaft. Das Land ist wild und  für  Mountainbiker  unentdeckt. Die Natur ist wunderschön und die Berge des  Kaukasus ragen in diesem kleinen Land bis zu 4.000 Meter in die Höhe. Eine Transalp hat jeder unserer dreiköpfigen Gruppe schon erlebt. Warum also sollten wir nicht eine Trans-Armenien organisieren und in dieses in nur drei Flugstunden entfernte Land zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer liegenden Land reisen.

Die Idee war also geboren. Nun galt es alles im Vorfeld bestmöglichst zu organisieren. Wir hatten Glück und erhielten nach etwa vierzig versandter E-Mails  an Reiseveranstalter in Eriwan   eine   vielversprechende Antwort. Es gab einen   Veranstalter, der im Bereich  Wander- Kletterreisen und Jeeptouren bereits Erfahrung hatte. Die Agenturleiterin meinte „Moutainbiken in Armenien – why not?“

Trans-Armenien sollte eine Reise mit dem Mountainbike werden, bei der es das Ziel war das ganze Land in seiner Schönheit zu entdecken.  Der trockene und schroffe Süden mit nach Lavendel und fremden Gräsern duftenden Hochebenen. Völlig gegensätzlich bereits die Gegend um den Sevansee, welcher auf einer Höhe von 2000 Meter und dreifachen Wasserfläche im Vergleich zum  Bodensee  einen   atemberaubenden  Blick  auf  die noch höher liegenden, mit Schnee bedeckten Berge rund um den See bietet.

 Auch den  Norden  den  die  Armenier die “armenische Schweiz” wegen seiner stark  bewachsenen  Hänge nennen, darf bei einer Trans-Armenien nicht fehlen. Als letzten Höhepunkt wollten wir noch  auf den  Mt. Aragats bezwingen und somit die  4.000 Meter  Marke  überschreiten. Für  die   Hauptstadt Eriwan planen wir noch einen Tag ein. Als Hilfsmittel benutzten wir GPS-Tracks, welche  im Vorfeld von der Agentur genauestens aufgezeichnet wurden. Ausserdem benötigten wir  während der neun Tage einen Fahrer mit Geländewagen für den Transfer zwischen zu weit auseinander liegenden Tagesetappen. Nach gemeinsamer Vorarbeit stand die Tour dann Ende Mai 2006. Die Flüge waren gebucht, die Trainingsvorbereitung abgeschlossen.

Tag 1: Landung, es ist frühmorgens als wir in Eriwan aufsetzen - noch dunkel. Wir waren alle wach  und gespannt auf das Land und den Menschen denen wir begegnen würden. Unser Fahrer hieß Khajak und stammte ursprünglich aus Beirut. Mit seiner sehr bewegten Vergangenheit, seinen philosophischen Lebensansätzen und Sichtweisen entlockte er uns in den kommenden Tagen immer wieder ein Schmuzeln.

Es folgte unserer erster Transfer in den Süden des Landes. Dort wollten wir mit dieser unvergesslichen Reise beginnen. Die ersten Sonnenstrahlen blitzten hervor und die Kühle der Nacht musste unverzüglich weichen. Die Stunden im Auto vergingen wie im Flug. Unsere Fahrt führte an alten Klöstern, Obstständen am Straßenrand und arbeitenden Bauern auf Ihren Feldern vorbei. Der Geländewagen eroberte die ersten Pässe im Sturmlauf und die umliegenden Berge ließen die Strapazen der kommenden Tage bereits vermuten. Angekommen bei der Gastfamilie wurde uns ein typisch armenisches Essen serviert. Fladenbrot, Käse, Tomaten und Fleisch sollten uns für unsere erste Tour am Folgetag, dem “Mosrov Trail” stärken.

Tag 2: Auf dem Weg zum Start des Trails fuhren wir mit unseren Rädern durch eine Ortschaft und erregten mit unseren schnellen Tritt, der bunten Bekleidung den für armenische Verhältnisse futurischen Rädern für großes Aufsehen. Der Uphill war gut fahrbar aber die Hitze machte uns zu schaffen. Für Abwechslung war während der Fahrt immer wieder durch freundliche Menschen, sagenhafte Weitblicke und einem gigantischen Downhill mit anschießendem Bad im kühlen Wasser der “Mineral Springs” gesorgt. Der erste Tag war gelungen. Die Tour gut fahrbar, die Eindrücke überwältigend. Die Trans-Armenien lief gut an und ließ uns für die kommenden Tage voller Zuversicht im Gästehaus einer armenischen Pension mit der akustischen Begleitung von bellenden Hunden und dem rauschen eines Bergbaches einschlafen.

Tag 3: “Her-Her - Trail” hieß die heutige Tour und konnte auch direkt von unserer Unterkunft gestartet werden. Der Verlauf dieser Route führte an einem Stausee hinauf zu einigen kleinen , ursprünglichen Bergdörfern in denen uns mit Einwohner nicht durchfahren ließen, ohne uns mit typischen armenischen Speisen und frischem Quellwasser zu verköstigen. Den in Armenien immer angebotenen Wodka mußten wir leider ablehen. Noch zu weit war der Weg zum Treffpunkt. Der immer steiniger und ausgefahrene Karrenweg führte in menschenleere, traumhaft schöne Hochebene.

Wir konnten, die in Armenien noch zahlreich vorkommenden Bären und Wölfe förmlich "riechen" und suchten stets am Horizont nach deren Silouette. Nach einer kurvenreichen 1000 Höhenmeter langen Abfahrt wartete unser Fahrer an dem vereinbarten GPS Treffpunkt, einem wunderschönen Platz in einem fruchtbaren Flusstal....

Der Punkt der totalen Entspannung war erreicht. Die Arbeit, der Alltag, all diese Dinge schienen jetzt unendlich weit weg zu sein. Wir saßen am Feuer, grillten unsere Forellen und bereiteten uns mental auf den nächsten Tag vor. Die Gruppe funktionierte. Es war harmonisch und Khajak sorgte gut für uns.

TAG 4: Auf dem Plan stand die Fahrt zum Sevansee. "Der Martuni Trail schlängelte sich den See entlang. Hier zeigte sich die Landschaft in einem völlig neuen Bild. Mit dem ständigen Blick auf das tiefblaue kalte Blau des Sees, ging auf einer staubigen Piste durch eine  windige von hohen Gräsern und blühenden Sträuchern geprägte Steppe. Vorbei an einer aufgegebenen  Bahnstation  aus längst vergangenen Sowjetzeiten. Die verrostenden Wagons wirkten in der skurrilen Landschaft wie in einem kitschigen Westernfilm.

Am Ende der sehr langen Tagesetappe wurden wir mit einem aussergewöhnlichen Hotel belohnt. Die Strapazen und Entbehrungen waren in dem Designer Hotel mit coolen  Wohnaccessoires, gepflegten Pool und stylisch eingerichteten Zimmern schnell vergessen

TAG 5: Wir hätten noch ewig schlafen können, aber der „Berd – Idjevan Trail“ stand auf dem Programm. Vorher hatten wir noch einen zweistündigen Jeeptransfer zu unserem Ausgangspunkt an der Grenze zu Aserbaidschan. Es ging in den grünen Norden des Landes. Die 1.600 Höhenmeter taten nach der langen Tour des Vortages besonders weh. Die Ausblicke in eine Landschaft die tatsächlich an die Alpen erinnert ließ alle Mühe und Schweiß vergessen. Nach dem endlosen, 1400 Höhenmeter langen Downhill auf gröbstem Schotter und von Regenfällen ausgewaschen Pisten  fuhren wir in dem 700 Meter tief gelegenen Idjevan ein, vorbei an baufälligen Plattenbauten, qualmenden schrottreifen Bussen und altertümlichen Lastwagen.

TAG 6: Wir blieben im grünen Norden des Landes und kurbelten uns durch einige Bergdörfer zum „Lastiver Trail“. Die Tour war kurz und dennoch knackig, geprägt von steilen ausgewaschene Rampen in einer schroffen Karstlandschaft. Eine Begegnung mit schwerbewaffneten armenischen Wilderern ließ uns für kurze Zeit den Atem stocken.

TAG 7: Es folgte die Königsetappe zum Physikalischen Laboratorium in dem Forscher tief im Berg die kosmische Strahlung messen. Der Komplex lag in einer Höhe von über 3000 Metern auf dem Mt. Aragats. Die Strasse schraubte sich mit unendlichen Serpentinen durch Schneefelder und an Zeltbehausungen von Kurden zu unserem Ziel. Oben angekommen mussten wir uns schnell regenerieren, da am Folgetag der Aufstieg „zu Fuß“ auf den Mt.Aragats auf dem Programm stand.  Es gab Borschtsch, eine nahrhafte russische Suppe.

TAG 8: Um 06:00 Uhr morgens haben wir uns mit unserem Bergführer verabredet. Wir gingen im  gleichmäßigen Tempo unseren beiden Gipfeln entgegen. Das Wetter war perfekt. Es war klar und kalt. Der festgefrorene Schnee bot uns eine gute Unterlage bis zum ersten der beiden Gipfel knapp unter 4.000 Meter. Den zweiten Gipfel und somit mit 4.006 Meter den höchsten Punkt unserer kompletten Trans Armenien erreichten wir eine Stunde später. Die Sonne war bereits aufgegangen und die Höhe bot uns ein gigantisches Schauspiel.

Wir haben es geschafft. Armenien hat unsere Erwartung bei weitem übertroffen. Die wunderschöne und für uns völlig neuartige Landschaft, die Gastfreundschaft der Einheimischen und die endlosen Karrenwege in den einsamen Höhen des Kaukasus. All das hat  diesen Trip zu dem gemacht was er jetzt für immer in unseren Köpfen bleibt.

 Die „Trans Armenien Tour“ wird nun auch durch Adventour angeboten.